Atitude Verde

Natur, Naturschutz und Naturtourismus in Brasilien

Turismo Comunitário

Turismo Comunitario (gemeinde-orientierter Tourismus) ist ein neuartiges Konzept des nachhaltigen Tourismus, bei dem der grösste Teil der Dienstleistungen direkt von den Bewohnern der jeweiligen Gemeinde angeboten wird und die Profite ohne Umwege zur Verbesserung ihrer Lebensumstände beitragen. Das Konzept wurde 2003 von Vertretern aus touristisch kaum erschlossenen Dörfern aus den brasilianischen Bundesstaaten Ceará und Amazonas auf dem Ersten Internationalen Seminar für Nachhaltigen Tourismus (SITS I) in Fortaleza. vorgestellt Das Ursprungsmodell stammt aus dem Fischerdorf Prainha do Canto Verde in Ceará, das durch  beispielhafte kommunale Selbstorganisation neben der traditionllen Fischerei eigene Angebote für Tourismus und Kunsthandwerk schuf, von denen die gesamte Gemeinde profitiert. Prainha do Canto Verde wurde hierfür der TO DO!-Preis für sozialverantwortlichen Tourismus verliehen. Die Folgekonferenz (SITS II), ausgerichtet im Jahre 2008, lockte bereits über 500 Teilnehmer aus ganz Brasilien, Amerika und Europa nach Fortaleza.

Kernsatz des Turismo Comunitario ist die Organisation durch und für die Gemeinschaft: Die Gemeinden nehmen einen Teil ihrer wirtschaftlichen Entwicklung selbst in die Hand. Die Infrastruktur für Unterbringung und Mahlzeiten ist zwar in privater Hand der Dorfbewohner, doch die Zuteilung der Touristen und die Verteilung der Verdienste zum Wohle der Gemeinschaft werden von der Kooperative geregelt. In Prainha do Canto Verde wird diese Kooperative von den Gemeindemitgliedern im Rotationsprinzip verwaltet. Tourismus und Kunsthandwerk sind Gemeinschaftsprojekte, von denen alle in gleichem Maße  profitieren. Die Gemeindemitglieder erkennen so den Wert ihres Umfeldes und ihrer Kultur als Quelle eines zusätzlicher Erwerbs und bestimmen über diese Entwicklung mit. Die postive Bilanz dieses Modells macht zunehmend von sich reden. Es gibt neue attraktive Angebote für Touristen aus Übersee, Ausbau der dorfeigenen Infrastruktur, ebenso wie ein stetig wachsendes Netzwerk von Partnergemeinden. Das Netzwerk Tucum zum Beispiel präsentiert 12 Gemeinden der Küste von Ceará, die ihre Vorzüge gemeinsam am Tourismusmarkt anbieten werden.