Atitude Verde

Natur, Naturschutz und Naturtourismus in Brasilien

Nachhaltige Regenwaldnutzung

Unter nachhaltiger Regenwaldnutzung versteht man Formen der ökonomischen Nutzung des Waldes, die seiner langfristigen Erhaltung zudienlich sind. Umweltschützer argumentieren, dass ein gesicherter Fortbestand des Regenwaldes wirtschaftlich um ein vielfaches ertragreicher sein wird als seine schleichende Zerstörung für kurzfristiger Profite. Zu den bekanntesten Modellen gehört das des New Yorker Institute of Economic Botany, das vorrechnete, dass bereits heute ein Hektar über nachhaltige Naturkautschuk- und Fruchternte bewirtschafteter Regenwald etwa sechsmal soviel Gewinn abwerfen kann wie ein Kahlschlag zur Holzgewinnung oder Nutzung als Anbau- oder Weidefläche.

Die vielzitierte Artenvielfalt spielt bei diesen Überlegungen eine wichtige Rolle, denn das in den unberührten Wäldern schlummernde Potential an noch nicht erforschten Arten und Wirkstoffen ist riesengroß. Angesichts der Vielzahl an bekannten aus Regenwaldpflanzen gewonnenen pharmazeutischen Wirkstoffen sind Vergleiche, die den Regenwald als riesige Apotheke oder Labor bezeichnen, keine Übertreibung. Nicht weniger als 70 Prozent von der US Krebsforschung als potentiell hilfreich eingestuften Pflanzen stammen aus tropischen Regenwäldern, wobei bisher nicht einmal 10 Prozent aller bekannten Arten überhaupt untersucht wurden.

Etwa 30 Prozent der Pflanzenarten Amazoniens wird ein Potential als Nahrungsmittel zugeschrieben. Von den 2500 weltweit bekannten Regenwaldfrüchten sind nur etwa 50 über das Gebiet ihres Vorkommens hinaus verbreitet, und nur 15 werden international vermarktet. Allein 50 der im Amazonien beheimateten Fruchtsorten gelten als für den Export geeignet, zumeist verarbeitet als Saft oder Extrakt. Zu den bekannteren Beispielen gehören unter anderem die nahrhafte Acerola Frucht (Eisen, Vitamin B,1790 mg Vitamin C pro 100g) und die Açai Beere (Euterpe oleracea), deren fettsäurenhaltiger Saft etwa 20 mal mehr antioxidative Anthocyane enhált als Rotwein. Zu den noch unbekannteren gehören die Cupuaçú Frucht, ein wohlscheckender naher Verwandter des Kakaus, oder die Camu-Camu Frucht, die einen 30 mal höheren Vitamic C Gehalt (2880 mg pro 100g) aufweist als die Zitrone.

Erweitern lässt sich diese Liste um hochwertige Pflanzenöle, interressant für die Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Treibstoffindustrie, natürliche Lacke, Klebstoffe und Konservierungsmittel aus  Wachse und Harzen, Faserstoffe, Farbstoffe, unzählige Schmuckgegenstände und vieles mehr. Die Entwicklung von Methoden zur nachhaltigen Nutzung der vielen bekannten und noch unbekannten Schätze Amazoniens ist ein unverueichtbare Standbein aller Bemühungen um seinen Schutz geworden. Entscheidend wird dabei sein, dass die Erhaltung des Waldes und seiner Artenvielfalt der kommerziellen Verwertung übergeordnet bleibt. Beim Kauf von Regenwaldprodukten sollte daher wenn immer möglich Gütesiegeln, die Nachhaltigkeit zertifizieren, der Vorzug gegeben werden.